Tour de France: Ein Urlaub in Frankreich (6)Dienstag, 2. Dezember 2008
Epilog:
Letzter Tag - zurück nach... ... Toulouse... eng, wenig grün, bedrückend. Vielleicht lag es am doch eher grauen Wetter, vielleicht auch an den „verpissten“ Trottoirs. Toulouse hatte nicht den Charme einer gemütlichen Stadt. Überall waren sichtbare Spuren von Rinnsalen sichtbar, die teils eingetrocknet, teils noch feucht den Weg kreuzten. Das Schlimme daran ist, dass man es Hunden ja noch verzeihen kann, weil es ja wirklich kaum Bäume in der Stadt gibt. Allerdings waren manche Rinnsale sicher menschlichen Ursprungs, es sei denn in Toulouse gibt es viele „wirklich große" Hunde. Nun ja, die autonome Szene bewegt sich offenbar auch in Toulouse. Am Garonne-Ufer lungerten etliche Gruppen Punks, Alternative oder ganz düstere Typen herum, denen man nicht unbedingt im Dunkeln begegnen möchte. Jeder von denen hat mindestens drei Hunde, die die wenigen Grünflächen mit braunen Stellen durchsetzen. Sich dort mal zu Setzen oder Auszuruhen... nein danke. Immerhin war der Platz um das Rathaus herum schon ganz nett, wenn auch wieder gänzlich ohne Grün und ohne Sitzgelegenheiten. Die Ufer der (grünen) Garonne, waren auch ganz nett angelegt. Hier gab es sogar Bäume. Unverständlich, wie man in der grünen Brühe angeln kann oder Wasserskifahren *schüttel*. Die Fassaden der Häuser am Fluss entlang waren teilweise hübsch anzusehen. Auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich die Kuppel des Doms über dem Fluss. Und in der Fußgängerzone fand sich tatsächlich noch ein Schallplattenladen, der sogar Magma-Platten im Schaufenster stehen hatte. Unbedingt ansehen sollte man sich das Dominikanerkloster Les Jacobins. Die gotische Kirchendecke wird getragen von nur einer Mittelsäule, was der Struktur ein palmenartiges Aussehen verleiht und das Kirchenschiff in zwei Seiten einteilt. Die auf Kniehöhe angebrachten Spiegelflächen erlauben zudem ungeahnte, fast schon surreale fotografische Perspektiven. Nach einer Fahrt in der führerlosen U-Bahn zurück ins Hotel, ging es dann am kommenden Morgen zurück zum Flughafen, von wo aus wir den Heimflug nach München antraten. Ich hoffe, der Reisebericht und die Fotos haben euch gefallen. Tour de France: Ein Urlaub in Frankreich (5)Montag, 1. Dezember 2008
4. Etappe
Die Schönheit hüstel der Jugendherberge in Tarbes hat uns dann doch animiert, öfter mal rauszufahren. Natürlich ging es in den fünf Tagen mehrmals in die Pyrenäen. Wenn man die Alpen kennt und schön findet, wird man die Pyrenäen lieben. Die Berge sind traumhaft und erheben sich majestätisch bis auf über 3000m Höhe. Grüne Hügel (Achtung, wieder dieses stachelige Gras), bizarre Felsen, dazu klare, türkisfarbene Bergseen – das hat schon Ausdruck. Das Wetter spielte uns auch jedesmal gut mit. Und wenn im Tal fett der Nebel hing, hieß das noch lange nicht, dass das Wetter ähnlich grau auch in den Bergen war. Im Gegenteil. Sehr lohnend: Die Passstraßen Col d'Aspin und Col de Tourmalet (was so viel wie "ungünstiger Umweg" bedeutet) zu fahren. Ob man das lieber mit dem Rad, wie die echten Tour de France Fahrer das tun, oder dem PKW macht, bleibt jedermanns Vorlieben überlassen. Wir bevorzugten die motorisierte Variante. Vom Col d'Aspin lohnt der Blick auf den Touristenberg der Pyrenäen, dem Pic De Midi. Raufgefahren zum Pic de Midi (auf dessem Gipfel sich auch gleich noch ein Observatorium befindet) sind wir nicht (per Seilbahn geht das). Die Massen an geparkten PKW in der Nähe der tausend Hotelburgen aus Beton an der Talstation ließen nichts wirklich gutes auf dem Gipfel erahnen. Auf der Passhöhe am Col de Tourmalet steht ein riesiges Radfahrerdenkmal, schließlich ist dieser Pass mit 2200m Höhe der höchste Punkt einer jeden Tour de France. Das müssen sich leider auch unzählige Hobbyradfahrer antun, weshalb das Fahren auf der engen Serpentinenstraße einiges an Aufmerksamkeit erfordert. Es empfiehlt sich, hin und wieder anzuhalten und den Blick auf die majestätischen Berge und die sich ins Tal schlängelnde Straße zu genießen. Ebenfalls sehr sehenswert: Der Cirque de Troumouse. Über eine Mautstraße erreicht man einen Bergkessel, in dem sich eine Art Hochplateau auf 2100m befindet, eingekreist vom mächtigen Grenzmassiv der Pyrenäen. Die noch einmal mehr als 1km in die Höhe ragenden Berge sind schon sehr beeindruckend. Und das tolle ist, man kann hier sehr ruhige Wanderungen durchführen. Das Gebiet ist weitläufig und übersichtlich, dennoch bietet es von der Kraxelei durch Geröllfelder bis zur ausgedehnten Bergtour alle Möglichkeiten. Die verstreut liegenden größeren Findlinge entpuppten sich manchmal auch als größer als angenommen. Man verschätzt sich da schon einmal in den Dimensionen, wenn um einen herum so große Berge aufragen. Der von uns zur Rast ausgewählte „größere Fels mit Spalte“ war plötzlich begehbar und hatte die Dimension eines Einfamilienhauses – nicht auszudenken, welches Getöse der verbreitet hatte, als er ins Tal stürzte und auseinanderbrach! Die Wiesen teilt man sich mit dort weidenden Kühen, die sich aber nicht annähernd aus der Ruhe bringen lassen. Der kleine Frosch im klaren Bergwasser hingegen fand unsere Anwesenheit nicht so lustig. Ebenfalls lohnend sind die Bergseen in den Pyrenäen. Am Lac de Peyrelade im Schatten des Pic de Midi tummeln sich zwar einige Wanderer, die Ursprünglichkeit der Landschaft drumrum und das türkisfarbene Wasser sind jedoch fantastisch. Hier grasen zur Abwechslung mal Perde und ein Schäfer trieb gerade seine Herde ins Tal, als wir noch durch große Farnfelder hinaufstiegen. Ein Abstecher an die Küste sollte jedoch auch nicht fehlen. Und da wir gezwungenermaßen an einem Tag eh nach Pau mussten, empfahl sich die eineinhalbstündige Weiterfahrt an den südwestlichsten Zipfel, nämlich nach Biarritz. Hätten wir es uns doch nur verkniffen. Einbahnstraßenregelungen, die keiner versteht, Kreisverkehre die gleich mehrfach in "Toutes Directiones" abzweigten. Verzweiflung über die Menschenmassen, die furchtbar mit Hotelburgen zugebaute Küste mit seinen steil aufragenden Felsen. Uns verließ der Mut und außer dem Leuchtturm (derzugegebenermaßen recht hübsch ist), haben wir keinen Eindruck von Biarritz mitgenommen ausser dem, dass wir da nicht mehr hin müssen. Die Pyrenäenorte sind allesamt vom Tourismus beherrscht. Cafés, Eisdielen, Weinkeller, Käsetheken. Alle wollen was vom Kuchen ab haben. Erstaunlich, dass sich das touristische Leben dort abspielt und Sehenswürdigkeiten, wie die alte Templerkirche in Luz-St-Sauveur von den Menschen gänzlich unbeachtet bleiben. Um so besser für uns, denn das alte Gemäuer lud zum Rumstöbern ein, die Überbleibsel aus der Templerzeit sind deutlich überall zu finden. Das kleine Museum im Nebengebäude der Kirche war sogar kostenlos und dennoch sehenswert. Die kleine Kirche selbst versprüht dabei ihren ganz eigenen Charme. Der Innenraum ist wunderschön gestaltet, die Kirche selbst liegt umgeben von hohen Festungsmauern, welche nachträglich von den Templern errichtet wurden und zum Schutze des Ortes bzw. der Bevölkerung dienten. Eine wirklich eindrucksvolle Stätte, die Geschichte spürbar werden lässt. Natürlich gibt es noch viele schöne Ecken in den Pyrenäen, die wir gesehen haben. Diese hier allesamt aufzuzählen, würde den Rahmen jedoch sprengen. Tour de France: Ein Urlaub in Frankreich (4)Sonntag, 30. November 2008
3. Etappe
Über den nicht ganz direkten Weg über Le Puy en Valey verließen wir die Vulkanauvergne in Richtung Pyrenäen. Zwischenstopp wurde in Rodez eingeplant, wo, um es vorwegzunehmen, KEINE self-catering-kitchen auf uns wartete, sondern eben die dusselige Cafeteria benutzt werden sollte. Das Hostel war insgesamt auch eher runtergekommen, die Zimmer zwar ok und sauber, der Bau aber eher der Marke Plattenbau. Hellhörig, weite und dunkle Gänge und es kam der Eindruck auf, dass zahlreiche Asylbewerber dort untergebracht waren (evtl. aufgrund schwacher Belegungszahlen eine zusätzliche Einnahmequelle für den Betreiber). Gut, das allein ist ja nicht schlimm. Aber, dass man des Nachts geweckt wird von sich lautstark über den Gang unterhaltenden Menschen, die zu allem Überfluss ihre Kinder freundlicherweise musikalisch an unserer Zimmertür austoben ließen, fanden wir dann doch ziemlich ätzend. Rodez kann ich als Herberge in dieser Form keinem empfehlen und der sehr industriell geprägte Ort lud auch nicht gerade zum Verweilen ein. Aber vorher war ja da noch der Abstecher nach Le Puy en Valey, einem Pilgerstädtchen am Jakobsweg (nicht, dass das für mich wichtig wäre). Verträumte Gassen, sehr kirchlich geprägt, mit einer Kapelle auf einer 80m hohen Felsnadel, die ausschaut, als hätte ein überdimensinales Tier dort hingesch..... Aber: Den Leuten dort erschien eine Maria und die hat eben nunmal danach geschrien, dass genau auf DIESEM Berg genau DIESE Kapelle hin soll. Gesagt getan. Dicht nebenan gibt es dann noch den mächtigen Dom samt Klosteranlage und zwischen Dom und Kapelle wurde natürlich der Berg genutzt (so was nennt sich dann wohl städteplanerisch effektiv), um eine Heiligenstatue (begehbar bis zum Kopf!) aufzubauen, vor der der Büßer kniet. Im Ort tummelt sich das Leben, zahlreiche Pilger sind in der Tat auszumachen, die bunten Häuserfassaden versprühen lebhaften Charme und es empfiehlt sich, kurz einzukehren und das Treiben auf dem Marktplatz näher zu beobachten. Eine tolle Stadt. Nach der Horrornacht in Rodez' grausamen Hostel ging es dann weiter Richtung Pyrenäen. Da die Stadt Albi direkt auf der Route lag, hielten wir also kurzentschlossen an und bummelten ein wenig durch die Gassen. Auch ganz nett. Doch nach Le Puy wirkte das Ganze dann etwas kühler und geradliniger. Roter Backstein prägt das Stadtbild, nette Bogenbrücken überspannen die Tarn und aus der Mitte ragt der in Backsteingotik erbaute und ein wenig nach Fabrik ohne Schornstein ausschauende Dom, der schon von Weitem erkennbar ist. Steht man erst mal vor dem Portal, so wird man sich der Dimension des Bauwerkes erstmals richtig bewusst. GROSS ist das Ding, schlicht von außen, einer Festung gleich. Sechs Meter dicke Mauern bestätigen den Eindruck und in der Tat war der Dom seinerzeit als Zuflucht für die Bevölkerung (also wohl zumindest für die höheren Schichten) gebaut. Der Innenraum ist ebenfalls GROSS und man wird erschlagen von Prunk, Verzierungen, einem riesigen Fresko, welches das jüngste Gericht darstellt und fragt sich in dem Zusammenhang dann schon, wieso die Kirche eine derartige Machtdemonstration nötig hat(te). Nach zwei städtischen Tagen waren wir am Abend dann in Tarbes angekommen, am nördlichen Rand der Pyrenäen gelegen und verfuhren uns prompt in einem Wust aus Einbahnstraßen. Nach einigem Umherirren durch das verkehrstechnisch vollgestopfte Zentrum kamen wir in unserem letzten Hostel an. Dies glich eher einer Kaserne, mehrere Stockwerke, lange Gänge, hellhörig, zwei Klos für über 20 Zimmer, immerhin aber mit eigener Dusche (zum Glück). Die Stockbetten waren viel zu weich und zu meiner Überraschung die Matratzen mit Inkontinenzlaken überzogen. Keine Ahnung, was die sonst für Gäste haben??? (vielleicht deshalb, weil es nur diese 2 Klos gab?). Die Küche bestand aus einer Unterbauzeile mit Arbeitsfläche, verklebtem Herd und einem Spülbecken; wohlgemerkt waren die Schranktüren nur vorgeschraubte Holzplatten und keine Schränke! Die karge Einrichtung wurde um Metallgestellstühle und einem klapperigen Spanplattentisch ergänzt. Sowas nennt man dann Selbstversorgerküche (!!!). Die Reinigungskraft - es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass wir sie in dieser Woche reinigen sahen – ja, auch die Klos! - also die Reinigungskraft klärte uns dann auf, dass es keinen Kühlschrank gibt und Geschirr nur an der Rezeption ausgeliehen werden kann - gegen Jugendherbergsausweis als Pfand. Na toll (immerhin sprach sie ein paar Brocken Englisch, was man von der Dame an der Rezeption leider gar nicht behaupten konnte!). Das Geschirr bestand dann aus einer niedrigen, kleinen Pfanne, einem Stieltopf mit 18cm Durchmesser, zwei Gläsern, zwei Tellern, zweimal Besteck und einem Pfannenwender bzw. einem Kochlöffel (je nachdem welche Box man gerade auslieh). Das Öffnen der Weinflasche wurde dann mangels Korkenzieher (Selbst die Küche der Herberge, die Rezeption und auch die BAR hatte sowas nicht – und das in FRANKREICH, mann!) kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben; da habe ich mir dann einen eigenen gekauft! Spülmittel war auch nur über Umwege zu bekommen (immerhin das gab es an der ... BAR! … leihweise). Glücklicherweise hatten wir noch unser Plastikgeschirr dabei, so konnte man wenigstens auch mal was Aufschneiden, bzw. etwas bereits Gekochtes frühzeitig aus dem Topf nehmen oder gleichzeitig auch mal einen Salat irgendwo drauftun. Aber das größte Manko war natürlich der fehlende Kühlschrank, weshalb wir jeden Abend vor dem Essen noch einen Supermarkt finden mussten, um frische Lebensmittel einzukaufen. Tarbes selbst entpuppte sich als Geschäftszentrum. In der Stadt regiert das Chaos. Die Durchgangsstraßen laufen hier mitten durch das Zentrum, Einbahnstraßenregelungen machen das Ganze noch etwas komplizierter. Wehe, du biegst da mal falsch ab. Nach zwei Tagen kannte ich dann sämtliche Gassen und Häuserblocks, so dass ich mich wenigstens nicht mehr verfuhr (und ich verfahre mich in der Regel sehr selten). Aber sonst gab es nicht wirklich was zu berichten von dieser Stadt. Auch die Nachbarstadt Pau in 40km Entfernung strahlte nicht viel mehr aus, als geschäftige Hektik. Dagegen wirken die bäuerlichen Ortschaften im Umland ruhig, allerdings auch irgendwie ärmer als die Stadt.
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